Für viele Paare ist der Besuch in einem Swingerclub ein aufregendes Abenteuer und eine völlig neue gemeinsame Erfahrung. Doch nicht immer findet ein solches Erlebnis einen durchweg positiven Ausgang. Valeries* Geschichte nahm kein gutes Ende.

Es begann alles vor ein paar Monaten. Ich meldete mich auf der Erotik-Plattform Joyclub an. Ich war einfach gelangweilt von all den 0815-Tinder-Bekanntschaften, die ich bis dahin gemacht hatte und wollte etwas Neues ausprobieren. Relativ schnell bekam ich erste Anfragen – unter anderem von einem Mann in meinem Alter. Bereits in der ersten Nachricht gab er mir seine Handynummer und weil ich sein Profil sehr ansprechend fand, entschloss ich mich, ihm zu schreiben. Wir schrieben also ein paar Tage hin und her, allerdings war ich zunächst nicht sonderlich angetan von ihm und wollte deshalb den Kontakt erstmal abbrechen. Ich hatte meinen Freunden von meiner neuen Bekanntschaft erzählt und diese überredeten mich, weiterhin mit ihm in Kontakt zu bleiben und dem Ganzen doch eine Chance zu geben. Ein paar Tage später trafen wir uns zu einem ersten Date. Ich war ziemlich nervös, trotzdem lief unser Treffen gegen alle Erwartung mehr als gut. Ich lud ihn relativ schnell zu mir nach Hause ein und wir verbrachten einen schönen Abend zusammen, an dem wir viel redeten und Interessen, Fantasien und Wünsche austauschten. Es wurde uns relativ schnell klar, dass wir uns beide sehr für Swingerclubs interessierten, diese Neugierde allerdings aufgrund unserer bisherigen Partner/innen nie ausleben konnten. Am Ende des Abends hatten wir beschlossen, diese besondere Erfahrung gemeinsam zu erleben. In den nächsten Wochen schauten wir uns nach verschiedenen Clubs und Kinos in der Umgebung um. Zu diesem Zeitpunkt wollte er bereits eine Beziehung mit mir eingehen, ich war allerdings noch skeptisch und wollte das Alles lieber langsam angehen lassen.

„Der erste Besuch im Swingerclub brachte uns einander deutlich näher.“

Valerie

Circa drei Wochen nach unserem Kennenlernen war es dann soweit. Wir hatten uns ein Kino ausgesucht und ich war bereits Tage davor mehr als aufgeregt. Er aber sprach mir Mut zu und beruhigte mich mit seinen Worten. Er versicherte mir, dass alles gut werden würde, dass wir viel Spaß haben würden und vor allem, dass er nicht schlecht über mich denken würde. Das war meine größte Angst – besonders, da ich begann, ihn wirklich gerne zu haben. Ich wollte einfach nichts kaputt machen, nur weil ich irgendwelche unerfüllten Fantasien ausleben wollte.
Der Moment, den ich mir über so lange Zeit hinweg herbeigesehnt und gleichzeitig gefürchtet hatte, war gekommen. Mein Begleiter wich mir nicht von der Seite, tat alles dafür, dass ich mich so wohl wie möglich fühlte. Er zwang mich zu nichts und war sehr verständnisvoll und einfühlsam. Im Großen und Ganzen empfand ich meinen ersten Besuch in einem Swingerclub als einen sehr gelungenen Abend, der uns beiden eine Menge Spaß brachte und um einige Erfahrungen bereicherte. Auch brachte uns diese besondere Nacht einander deutlich näher. Drei Tage nach unserem Erlebnis, teilte ich meinem Freund mit, dass ich nun bereit war, eine Beziehung mit ihm einzugehen.

In ihrer Freizeit: Über ein Jahr war Valerie mit ihrem Freund zusammen. Quelle: Anonym

Die ersten Monate verliefen sehr harmonisch. Wir verbrachten sehr viel Zeit miteinander, kamen uns immer näher und ich bekam nach einer Weile das Gefühl, die Person gefunden zu haben, mit der ich alt werden möchte. Wir hatten so viel gemeinsam, die Leidenschaft und das große Interesse an allem, was neu ist – auch an Dingen, die andere Menschen als Tabu ansehen würden. Wir legten uns ein gemeinsames Profil bei Joyclub an und suchten dort nach anderen Paaren oder Frauen, die für neue Erfahrungen offen waren. Stundenlang saßen wir abends gemeinsam auf der Couch und durchstöberten andere Profile und Clubs. Es machte mir einfach Spaß ein solches “Hobby” mit jemandem zu teilen. Relativ bald stießen wir auf einen neuen Swingerclub, der vor allem Events für junge Paare anbot. Wir meldeten uns an, doch ein mulmiges Gefühl breitete sich in mir aus. Irgendwie freute ich mich nicht auf diesen Abend. Meine anfängliche Joyclub-Bekanntschaft war doch jetzt mein Freund und nicht mehr einfach irgendein Typ mit dem ich ein lockeres Verhältnis pflegte. Ich bekam es mehr und mehr mit der Angst zu tun, dass ich ihn verlieren könnte. Er sprach von nichts anderem mehr außer diesem Event. Ich wollte meinen Freund nicht enttäuschen und beschloss, ihm erst einmal nichts von meinen Ängsten zu erzählen. Hauptsache, er war glücklich.

„Ich durchsuchte sein Handy“

Valerie

Als wir zusammen zu der gebuchten Veranstaltung fuhren, tat ich so, als ob ich schlafen würde, damit ich meinen Kopf zur Seite drehen konnte. Er bemerkte nicht, dass ich die ganze Fahrt über weinte. Der Clubbesuch war ein absolutes Desaster. Alles war mir unangenehm – angefangen vom Aussuchen von farbigen Armbändchen, welche die Absichten der Clubbesucher verdeutlichten bis hin zu Interaktionen mit anderen Personen. Mein Freund war nicht mehr ständig an meiner Seite. Er war nicht mehr so fürsorglich. Er versuchte mich unentwegt zu Dingen zu überreden, die ich einfach nicht tun wollte. Ich versuchte seinen Anforderungen und Wünschen gerecht zu werden, konnte meine Frustration und Wut jedoch irgendwann nicht mehr zurückhalten. Ich sagte ihm, dass ich das alles gerade nicht mehr aushielt und gerne gehen wollte. Er wurde wütend. Mein Freund schrie mich im Auto an, sagte immer wieder, wie enttäuscht er von mir sei. Ich fühlte mich verletzt, traurig und wütend zugleich. Er konnte nicht verstehen, wieso ich solche Angst davor hatte, ihn zu verlieren. Er versicherte mir, ich würde mir zu viele Gedanken und Sorgen um Nichts machen. Vielleicht reagierte ich ja tatsächlich einfach nur über?

Die nächsten Wochen fühlten sich sehr angespannt an. Ich hatte verstärkt das Gefühl, dass sich mein Freund von mir distanzierte und mehr Zeit an seinem Smartphone verbrachte, als mit mir. Ich hatte Angst, ihm nicht mehr vertrauen zu können. Shame on me – doch ich durchsuchte sein Handy. Ich wurde fündig. Er schrieb mit einer transsexuellen Person und hatte ihr intime Bilder und Videos von uns geschickt und um ein Treffen gebeten. Mein Vertrauen war ab diesem Moment zerstört. Ich konfrontierte ihn damit und er gestand mir unter Tränen, dass er eben noch andere Neigungen hatte. Ihm zuliebe duldete ich sein Verhalten sehr lange. Ich war so verliebt, so blind vor Liebe, dass ich mich selber komplett vernachlässigte. Ich hatte ununterbrochen Angst, ihn zu verlieren, wenn ich ihm einen seiner sexuellen Wünsche ausschlagen würde.
Irgendwann sammelte ich all meinen Mut zusammen und verließ ihn. Kurz darauf ließ ich mich jedoch von ihm überreden, es noch einmal zu versuchen. Die darauffolgenden Monate waren geprägt von Angst, Demütigungen und Nötigungen. Wollte ich nicht in einen Swingerclub mit ihm, wurde er wütend, war enttäuscht. Er drohte oftmals damit, dass er dann wohl woanders sich umschauen müsste, also ging ich am Ende doch mit ihm. Unsere Beziehung ging derartig den Bach herunter doch ich blieb immer bei ihm, aus Angst den Mann, den ich so vergötterte, zu verlieren. Nach ein paar weiteren Trennungen und über einem Jahr Beziehung fasste ich endgültig den Entschluss, dem Ganzen ein Ende zu machen. Ich trennte mich und blickte nicht wieder zurück.

Heute würde ich vieles anders machen. Ich würde nie wieder etwas verschweigen, nur aus Angst, meinen Partner zu frustrieren oder zu verärgern. Ich würde mich auch nie wieder zu etwas drängen lassen, was ich selber nicht möchte oder was mir unangenehm ist. Paaren, die einen gemeinsamen Besuch im Swingerclub in Betracht ziehen, würde ich immer empfehlen, vorher alles genau abzusprechen und Regeln aufzustellen. Was sind die No Go’s? Was stellen sich beide vor, was sind die Erwartungen? Man sollte klären, was man ausprobieren möchte, wie weit man gehen will und ob das auch alles für den Partner in Ordnung ist. Kommunikation ist das A und O. Wichtig ist es auch, danach über die gemachten Erfahrungen zu sprechen. Der Besuch in einem Swingerclub kann etwas Schönes, etwas Aufregendes sein – ein bereicherndes Erlebnis. Für mich war es keine gute Erfahrung und ich würde es wahrscheinlich nicht noch einmal tun.

*Namen aus Datenschutzgründen geändert

Quelle, Titelbild: Anonym

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